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Vom ‚königlichen’ Monat August

„Mein! Mein! Das alles ist mein! Die Sonne. Die Wärme. Die Ernte. Der Sommer.“
Mit einer selbstherrlichen Geste winkte der August seinen Sommerkollegen Juni und Juli zu, doch es sah eher aus, als wolle er sie aus dem Reigen der Monate wegfegen.
„Ich! Ich bin der Sommer! Der wahre Sommer. Der echte!“, dröhnte er mit machtvoller Stimme so laut, dass sich keiner seinen Worten zu entziehen vermochte. „Der König der Monate bin ich, der ich im Zeichen des Löwen, des Königs der Tiere, regiere.“ Er wandte sich den anderen Monaten zu. „Ich denke, ihr werdet keine Einwände haben, Kollegen!“
„Und ob!“, empörte sich der Juni, der wie in jedem Jahr seine Monatszeit allein mit redlicher Sommerarbeit verbracht hatte. „Ein eingebildeter, selbstsüchtiger Schnösel bist du. Ein Maulheld. Wie wäre es, wenn du endlich deine Augustpflichten wahrnehmen und dich um die Ernte, die Wiesen, Felder und Wälder, die Gärten und Parks, die Tiere und nicht zuletzt die Menschen kümmern würdest?“ Rasend vor Wut schritt er auf den August, diesen faulen Fatzke, die Fäuste zum Schlag erhoben, zu.
Gerade noch gelang es dem Juli, ihn zurückzuhalten. „Lass ihn!“, näselte er. „Aufregung und Ärger machen müde, und ich bin es leid, mir jedes Jahr aufs Neue das Protzen des Herrn August anzuhören. Du weißt doch: Reden ist Silber, Schweigen Gold.“
„Gold, mit Verlaub, gebührt alleine mir. Ein König trägt Gold, eine Farbe, die nur ich in meinen prachtvollen, farbenfrohen Sonnenuntergängen an den Himmel zu malen vermag.“
Er grinste und wandte sich an den Juni: „Und du, Wertester, schweige! Wer, wenn nicht ich, sollte deinen läppischen Vorarbeiten den gewissen Glanz verleihen? Sprich!“ Er winkte ab. „Nein, besser du schweigst. Mit deinen Jammertiraden stiehlst du mir meine kostbare Zeit. Und jetzt muss ich los und auf der Erde nach dem Rechten sehen. Es ist die Zeit der Ernte und der Erntefeste, die die Menschen alleine mir zu Ehren zu feiern pflegen. Ich muss mich dort – natürlich – sehen lassen.“
Er grinste seinen Monatskollegen, die sichtlich um Fassung rangen, mit einer königlichen Geste zu und verschwand.
„Puh!“, entfuhr es schließlich dem September. „Begreift ihr nun, weshalb ich ganz gerne diesem arroganten Affen mit ersten Herbstnebeln und Kaltnächten ins selbstherrliche Handwerk pfusche?“
Die anderen Monate nickten stumm. Sie brauchten noch ein paar Tage, bis ihnen zu diesem Auftritt die passenden Worte einfielen. Es war wie jedes Jahr zu Beginn der Regentschaft des ‚königlichen‘ Augusts.

© Elke Bräunling

Hier ist die Augustfee unterwegs: Als die Augustfee die Äpfel küsste

Jeder Monat hat seine eigene Geschichte

Vom strahlenden Monat Januar
Vom fröhlichen Monat Februar
Vom eingebildeten Monat März
Vom närrischen Monat April
Vom übereifrigen Monat Mai
Vom arbeitsamen Monat Juni
Vom trägen Monat Juli
Vom ‚königlichen‘ Monat August
Vom zaudernden Monat September
Vom feurigen Monat Oktober
Vom bescheidenen Monat November
Vom festlichen Monat Dezember

Viel Spaß damit!
🙂


Vom königlichen August, Foto © Andrea Oberdorfer