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Vom trägen Monat Juli

„Ahhhh! Urlaub! Ferien! Sonne! Wärme! Genuss! Lebensfreude! Es ist, als wären sie alle meine Kinder! Als hätte ich sie erfunden. Ich, der schönste und beliebteste Monat im Jahr!“
Zufrieden räkelte sich der Juli auf einer Schönwetterwolke und sah zur Erde hinab. Ihm gefiel, was er sah. Satt und von der Sonne vanillegelb gebleicht warteten die Kornfelder auf die Ernte, die Wiesen hatten sich von der ersten Mahd erholt und trugen ihr zweites Blütenkleid, an Obstbäumen und -sträuchern reiften leckere süße Beeren und Früchte und auf den Straßen der Touristengebiete stauten sich wie glitzernde Diamanten an einer Kette die Autos der Urlauber. Die Glut der Julisonne fegte die Städte in der Mittagshitze leer und trieb die Menschen in die Schwimmbäder, die umliegenden Parks und Wälder, in die Bier- und Kaffeegärten. Düfte nach gegrillten Würstchen und Steaks durchzogen die Sommerluft und ließen den Menschen vor Appetit das Wasser im Munde zusammenlaufen. Hmmmm!!!
„Was bin ich doch für ein herrlich warmer und erholsamer, ein köstlich feiner und genussreicher Monat“, befand der Juli mit einem behaglichen Stöhnen. Die Menschen, sie lieben mich alle. Hah!“
Der Juli war hochzufrieden. Er schätzte jene heißen, trägen und auch ein wenig faulen Sommertage sehr und es freute ihn, wie sehr die Menschen – und die Tiere und Pflanzen – sein Sommerwetter genossen. Ja, so konnte es alle vier Juliwochen bleiben. Ruhig und entspannt ohne Stress und Turbulenzen.
„Mein Tun“, erklärte der satte und verwöhnte Juli seinen Monatskollegen, „liegt im Nichtstun. Damit erfreue ich alle am meisten.“ Er grinste den anderen Monaten zu. „Und bitte, spart euch eure Empörung. Sie vermag mich nicht zu empören.“
Empören? Warum? Die Monate gähnten.
„Eine leise Langeweile kräftigt das Jahr“, meinte der Januar schließlich.
„Das Geheimnis der öden Langeweile liegt darin versteckt, dass sich alle, die Menschen, Tiere, Pflanzen und Monate, eines Tages nach bunten Abwechslungen sehnen werden“, ergänzte der Oktober.
„Und nun schweigt“, murmelte der Juni, der sehr müde war. „Ich will schlafen.“
Die Monate nickten. „Wir auch“, stimmten sie einhellig zu.
Und während der Juli den Rest seiner Tage darüber nachdachte, ob er gekränkt sein sollte wegen dieser Gleichgültigkeit, dösten seine Monatskollegen in die Tage hinein. Nur ab und zu grinsten sie einander verstohlen zu, dann nämlich, wenn der Juli ein paar beleidigte Gewitter mit viel Blitz und Donner zur Erde schickte.

© Elke Bräunling

Hier begegnet die die Julifee: Als die Julifee die Sommerwärme brachte


Juliabend – satt, sonnendurchwärmt, schläfrig, genießerisch, Foto © Andrea Oberdorfer

Jeder Monat hat seine eigene Geschichte

Vom strahlenden Monat Januar
Vom fröhlichen Monat Februar
Vom eingebildeten Monat März
Vom närrischen Monat April
Vom übereifrigen Monat Mai
Vom arbeitsamen Monat Juni
Vom trägen Monat Juli
Vom ‚königlichen‘ Monat August
Vom zaudernden Monat September
Vom feurigen Monat Oktober
Vom bescheidenen Monat November
Vom festlichen Monat Dezember

Viel Spaß damit!
🙂