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Die Elfe Sumsinella tröstet Bienchen

„Sumsinella, ich wäre auch so gern eine Elfe!“ Bienchen seufzte und ließ sich neben Sumsinella nieder, die es sich gerade im Körbchen der Sonnenblume gemütlich gemacht hatte.
„Warum denn das? Jeder ist doch auf seine Weise wichtig. Was wäre, wenn alle Bienen Elfen sein wollten, dann gäbe es doch keinen Honig“, antwortete Sumsinella und wunderte sich. Sie war noch niemals auf die Idee gekommen, jemand anders sein zu wollen.
„Das stimmt, aber manchmal wünsche ich mir, dass ich so ein schönes Kleid tragen könnte wie du und deine Haare gefallen mir so sehr.“
„Mmh“, machte Sumsinella und dann lächelte sie geheimnisvoll.
„Eigentlich bist du ja eine Elfe, Bienchen!“
Bienchen sah Sumsinella fragend an. Sie sollte eine Elfe sein, mit ihrem schwarz-gelb gestreiften Trikot und den viel zu kleinen Flügeln?
„Wie meinst du das?“, fragte sie neugierig.
„Pass auf, ich erzähle dir die Geschichte!“, begann Sumsinella. Bienchen lauschte.
„Vor langer Zeit, als die Aufgaben im Zwergen und Elfenreich neu verteilt wurden, beschloss die Elfenkönigin, dass einige Elfen dafür sorgen mussten, dass der Nektar der Blüten geerntet werden konnte. Auch der Blütenstaub musste verteilt werden, damit es Früchte geben konnte. Die Elfen, die dazu bestimmt wurden, taten ihr Bestes, aber es war eine beschwerliche Arbeit, denn du weißt ja, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag von Blüte zu Blüte zu fliegen und dann zwischendurch zu Hause den gesammelten Nektar abzuliefern.“
Bienchen nickte.
„Klar, das weiß ich nur zu gut!“
„Die Elfenkönigin war sehr klug und sie überlegte sich, dass die Sammlerinnen ganz anders ausgestattet sein müssten, als die anderen Elfen. Sie brauchten einen Rüssel und zum Transport des Blütenstaubes wäre es ja viel besser gewesen, wenn kein Eimer oder ein anderes Gefäß mitgeschleppt werden musste, nicht wahr?“
„Das sehe ich ein!“, stimmte Bienchen nachdenklich zu. Sie ahnte bereits, dass ihre Herkunft irgendetwas mit den Gedanken der Elfenkönigin zu tun haben konnte.
„Die Elfenkönigin nahm also ihren Zauberstab und hielt ihn über die Nektarsammelelfen!“
„Und dann?“, stotterte Bienchen aufgeregt. „Erzähl schon!“
„Sie sagte einen Zauberspruch.“
„Und wie ging der?“
„Genau weiß ich das auch nicht, aber so ähnlich muss er geklungen haben: Lichtwesen werde klein, von goldener Farbe sollst du sein.“
„Ach so war das!“ Bienchen gefiel es, ein Lichtwesen aus Gold zu sein und wichtig war sie auch, das hatte Sumsinella ja schon gesagt. Wozu brauchte sie also ein Kleid oder Haare, die wären doch nur hinderlich bei ihrer Aufgabe.
„Du bist die beste Freundin der Blumen und auch der Elfen, Trolle und sogar der Menschen.“ Sumsinella staunte über sich selbst. Woher wusste sie das alles nur? Eines war aber sicher, wenn Sumsinella etwas erzählte, dann war es immer ein kräftiges Körnchen Wahrheit darin.
„Du musst ja nicht gleich so übertreiben“, wisperte die Frau Fliege, die sich heimlich zwischen den Blütenblättern der Sonnenblume versteckt hatte.
„Wenn sie die Freundin der ganzen Welt ist, warum hat die Elfenkönigin ihr dann einen Stachel gegeben?“
„Damit sie sich wehren kann, wenn mal jemand nicht weiß, wie wichtig sie ist!“, antwortete Sumsinella. Dann verabschiedete sie sich schnell.
„Ich muss jetzt los. Macht es gut, ihr Zwei!“
Das war wohl besser so, bevor die kluge Fliege noch weitere Fragen stellte, auf die Sumsinella vielleicht doch keine Antwort gefunden hätte.

© Regina Meier zu Verl

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