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Rote Rosen für die Liebe

Komisch benimmt sich Opa seit einigen Tagen. Er redet kaum und isst wenig. Oft steht er am Fenster und starrt hinaus.
„Was ist mit dir?“, fragt Papa.
„Bist du krank?“, erkundigt sich Mama mit besorgter Stimme.
„Oder bist du traurig?“ Lena schlingt ihre Arme um Opas Bauch und Opa lächelt traurig.
Lena wundert sich. Neulich im Park ist Opa fröhlich gewesen! Eis gegessen haben sie und Boule gespielt. Und lange mit der netten Frau Bergmann, die erst seit kurzem hier wohnt, haben sie sich unterhalten und viel Spaß gehabt. Was hat Opa da viel gelacht. Und geklaut hat er auch. Drei weiße Rosen. Die hat er mit einer komischen Verbeugung Frau Bergmann geschenkt. Ganz rot im Gesicht ist er dabei gewesen. Frau Bergmann auch. „Was machen Sie nur für törichte Sachen!“, hat sie gesagt und die Rosen an ihren Busen gepresst. „Opa ist kein Dieb!“, hat Lena gemurmelt, doch die beiden haben sich nur komisch angegrinst.
„Ist es, weil du die Rosen geklaut hast?“, fragt Lena. „Hast du Angst vor der Polizei?“
„Du stiehlst Blumen?“, mischt sich Papa ein.
Auch Mama sieht Opa misstrauisch an. „Wozu braucht du denn Rosen?“
„Weiße Rosen“, erklärt Lena. „Für Frau Bergmann.“
Mama lächelt nun. „Oh!“, sagt sie. „Wer einer Dame weiße Rosen schenkt, ist verliebt und so schüchtern, dass er seiner Herzensdame seine Liebe nicht zu gestehen wagt.“
„Häh?“ Mit aufgerissenen Augen blickt Papa zwischen Mama und Opa hin und her.
„Opa spricht in der Blumensprache“, erklärt Mama.
Jetzt nickt Opa. „Aber sie versteht sie nicht“, sagt er leise.
„Wer? Also ich verstehe nur Bahnhof.“
„Frau Bergmann“, erklärt Lena.
„Und die ist verliebt? In wen? Und Opa klaut deshalb weiße Rosen?“ Papa steht noch immer auf dem Schlauch.
„Opa … ist … verliebt!“, rufen Lena und Mama nun laut. „In Frau Bergmann.“
„Und warum sagst du dieser Dame nicht, dass du dich verliebt hast“, fragt Papa Opa.
„Ich habe ihr im Park weiße Rosen gepflückt. Drei Stück“, erklärt Opa noch einmal.
Jetzt begreift Papa. „Ach so. Rosen sind Blumen der Liebe. Du musst ihr rote Rosen schenken. Rot ist die Farbe der starken, leidenschaftlichen Liebe.“
„Meint ihr?“ Fragend blickt Opa auf.
„Aber klar!“ Alle nicken und Papa fügt hinzu: „Aber dieses Mal kaufst du die Rosen, ja? Rosen stehlen ist verboten, egal ob weiße oder rote.“
„Genau“, sagt Mama. Sie grinst Papa an. „Und wie ist es mit der gelben Rose, die du mir letzte Woche, als du dich verspätet hattest, mitgebracht hast? Wo hast du die so spät am Abend gekauft?“
Papa windet sich. „Na ja“, murmelt er, „ich habe sie vom Rosenstrauch der Meiers nebenan gepflückt. Aber es war nur eine Blüte.“
Mama grinst noch breiter. „Ja“, sagte sie langsam. „Eine gelbe Rosenblüte – und Gelb bedeutet in der Sprache der Rosen, dass du mir die Blume schenkst, weil du entweder eifersüchtig oder untreu bist oder aber weil du mich nicht mehr liebst.“
„Äh, ich …“ Papa ringt nach Worten, Opa guckt erschrocken, Lena meint, das mit den Blumenfarben sei so toll wie Briefe in Geheimschrift. Und Mama? Die lacht aus vollstem Halse. Zu komisch sieht Papa aus, wie er dasteht und ausnahmsweise einmal nicht das letzte Wort hat.

© Elke Bräunling


Erzähl mir die Liebe mit einer roten Rose und einem romantischen Gedicht, Foto © Elke Bräunling

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