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Die Kunst des kleinen Sonnenstrahls

Endlich hatte der Wind die Wolken, die seit mehr als zwei Wochen über dem Land lagen, auseinander getrieben. Erste wärmende Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die Wolkenschleier. Gierig sogen sie die Wassertropfen, mit denen der Regen Bäume, Blätter, Blüten und Gräser getränkt hatte, in sich auf. Überall dort, wo sich Regentropfen und Sonnenstrahlen trafen, glitzerte und gleißte es wie in einer königlichen Schatztruhe. Wie verzaubert sah das aus.
„Der größte Künstler ist die Natur“, sagte der Maler. Mit glänzenden Augen durchstreifte er die Strassen, sah hierhin und dorthin und staunte. „Was für ein wundervoller Tag das ist!“
Er blieb andächtig vor einer Birke, die am Straßenrand wuchs, stehen.
„Die Regentropfen! Wie Perlen schimmern sie im Licht der Sonne. Wunderschön!“
Wunderschön? Der kleine Sonnenstrahl, der sich in der Birke ausruhte, freute sich.
„Die Natur ist ein Künstler, hat der nette Herr gesagt. Also bin ich ein Künstler. Ein Lichtperlenschimmerkünstler. Das gefällt mir.“
Er freute sich wirklich sehr und schickte noch ein bisschen mehr Wärme zur Erde hinab, damit die regennasse Birke noch heller glänzte.
Wie ein Wunderbaum, in dem die Wassertropfen wie Diamanten von den Zweigen funkelten, sah sie nun aus und die Leute blieben staunend vor ihr stehen.
Viele „Oooohs“ und „Aaaahs“ und „Schööön“- Rufe hallten zu dem kleinen Sonnenstrahl herauf, der sich in all dem Lob wohlig sonnte. Wie gut es sich anfühlte, gelobt zu werden! Und wie viel Freude es bereitete, andere zu erfreuen!
Fröhlich lugte der kleine Sonnenstrahl noch ein wenig weiter und heller zwischen den Wolken hervor. Toll! Wie es nun überall gleißte und schimmerte! Und wie warm es allen ums Herz wurde! Warm und heiß. So heiß, dass sich Schweißtropfen auf die Menschenstirne legten und die Wassertropfen, die noch auf Zweigen und Blättern lagen, rasch in einer Dunstwolke zu ihrer Wolke gen Himmel flüchteten. Auch die Menschen stoben auseinander und eilten auf der Suche nach einem kühlen Plätzchen davon.
Nur der Maler war geblieben. Er schaute die Birke, deren Blätter und Zweige nun nicht mehr diamantenhell funkelten, an und lächelte.
„Danke, kleiner Sonnenstrahl!“, murmelte er. „Du bist ein Zauberer. Ein Gute-Laune-Zauberer.“
Der Sonnenstrahl, der sich eigentlich über die Flucht der Menschen und der Wassertropfen ärgern wollte, blinkte ihm ein leises Lächeln als Antwort zu.
Der Maler winkte und eilte nach Hause. Ein Bild wollte er malen von einem Augenblick, der diesem trüben Regentag ein Leuchten geschenkt hatte.

© Elke Bräunling


Am Morgen nach der Regennacht … Sonnenstrahlenkunst

Geschichten vom Regentropfen und vom Sonnenstrahl

Der kleine Regentropfen und die Sonnenpause
Der kleine Regentropfen und das Sommergewitter
Als der kleine Regentropfen die Wolken weinen ließ
Der Regentropfenstreik
Der kleine Regentropfen und die Perle aus Eis

Der kleine Sonnenstrahl und die Wolke
Der Kuss des kleinen Sonnenstrahls
Die Träne des kleinen Sonnenstrahls
Der kleine Sonnenstrahl und das Lächeln
Ein kleiner Sonnenstrahl für Maria
Als der kleine Sonnenstrahl dem Frühling half
Ein Königreich für einen Sonnenstrahl

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