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Als sich Tine im Schwimmbad wehrte

Ein heißer Sommertag war heute. Gut gelaunt wartete Tine im Schwimmbad bei den Umkleidekabinen auf ihre Freundin Mara. Mara hatte sich verspätet und Tine schaute den tobenden Kindern im Nichtschwimmerbecken zu.
Plötzlich tönte eine Männerstimme: „Na, Kleine, wartest du auf deinen Freund?“
Erschrocken sah sich Tine um. Ein Mann stand hinter ihr. Er grinste und streckte seinen dicken Bauch mit der breite, rötlichen Narbe ein bisschen weiter vor. So weit, dass er fast Tines Hüfte berührte.
Ihh! Tine bekam trotz der Hitze eine Gänsehaut. Sie trat einen Schritt zur Seite.
„Ich warte auf meine Freundin. Sie kommt gleich“, sagte sie schnell.
„Wollen wir uns ein wenig unterhalten?“
Der Mann musterte sie von oben bis unten. Ganz komisch fühlte sich das an.
„Mit fremden Männern rede ich nicht.“ Tine nahm ihre Tasche und wollte sich abwenden.
Da packte sie der Mann am Arm. Das tat weh und Tines Herz fing zu rasen an.
„Au! Lassen Sie das!“ Zitternd riss sich Tine los. So schnell sie konnte, rannte so zum Nichtschwimmerbecken hinüber.
Da endlich kam Mara.
Tine war erleichtert. „Komm!“, rief sie der Freundin zu. „Wir müssen den Bademeister suchen.“
„Was ist denn los?“, wollte Mara wissen.
„Da war ein Mann. Er hat mich angefasst und so blöd geguckt. Wir müssen das melden.“ Tine schluchzte, doch dann war die Wut größer als die Angst. „Meine Eltern haben mir gesagt, wenn mich jemand dumm anspricht oder anfasst, soll ich schnell weglaufen und Hilfe holen.“
Mara war blass geworden. „Los! Erzählen wir es dem Bademeister! Nicht, dass der Kerl wegläuft oder andere Kinder anspricht.“
Tine nickte. „Ja, wir müssen uns wehren.“
„Das habt ihr gut gemacht“, sagte später einer der beiden Polizisten, die der Bademeister sofort gerufen hatte. „Ihr müsst bei solchen Begegnungen immer gleich Hilfe holen.“ Er wandte sich Tine zu. „Kannst du den Mann beschreiben?“
Hm. Das war schwer. Es gab hier viele Männer mit dickem Bauch.
„Er hatte eine tiefe Stimme“, sagte sie langsam. „Und er war dick.“
Tine dachte nach. Da war doch noch etwas gewesen. Etwas, das ihn von den Männern im Schwimmbad unterschied.
„Die Narbe“, rief sie. „Auf dem Bauch hatte er eine breite Narbe.“
Die Polizisten und der Bademeister nickten zufrieden. „Das hast du sehr gut beobachtet“, lobte sie einer der Polizisten. „Bestimmt werden wir den Kerl finden.“
Und so war es auch. Die Polizisten nahmen den Mann, der sich gerade mit einem kleinen Jungen unterhalten hatte und der nun laut schimpfte, mit.
Auf einen Nachmittag im Schwimmbad hatte Tine nun keine Lust mehr. Sie wollte schnelll nach Hause und ihren Eltern von dieser Begegnung erzählen. Morgen aber würde sie ganz bestimmt wieder zum Schwimmen gehen. Angst muss sie keine haben. Sie weiß ja, wie man sich wehrt.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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