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Geheimniskrämereien und Kürbisse, die schießen

Das Regenwasserfass im Garten ist randvoll. Die ganze Woche hat es geregnet.
„Meine Laune ist echt im Keller“, sagt Papa.
„Echt? Was macht sie da?“ Der kleine Florian sieht Papa erschrocken an.
Und ehe jemand dazu etwas sagen kann, saust er schon los in den Keller, obwohl er eigentlich nicht gerne alleine dort hinunter geht.
„Ich hol sie dir zurück, Papa!“
Mama und Papa schauen sich an und dann prusten sie los vor Lachen.
„Wir sollten versuchen, nicht immer so zweideutig zu reden!“, sagt Mama schließlich.
Da ist Florian auch schon wieder da. Mit einem alten Weidenkorb in der Hand.
„Ich habe deine komische Laune nicht gefunden“, verkündet er. „Nur das da.“
Und er stellt den Korb mitten zwischen Frühstücksgeschirr, Brotkorb, Marmeladentopf, Butterschale und Salzmühle auf den Tisch.
„Wo kommt der denn her?“, staunt Mama.
„Aus dem Keller! Er ist auch nicht schwer.“ Florian wundert sich über die Frage. Er hat doch gerade gesagt, dass er ihn im Keller gefunden hat.
„Und wie kommt er dahin?“, fragt Mama wieder
Papa zuckt mit den Schultern, er weiß es auch nicht. „Was ist denn drin?“, fragt er neugierig.
„Ich weiß es nicht“, sagt Florian. Und er muss plötzlich an Oma denken, die gestern unbedingt etwas im Keller gesucht hat. „Ein Geheimnis“, hat sie gesagt und so seltsam gelächelt hat sie dabei.
„Oma weiß es sicher!“, ruft Florian. Er ist jetzt ganz aufgeregt, denn Oma hat immer spannende Geheimnisse.
Das weiß Mama auch und deshalb bekommt sie erst einmal einen Schreck. Sie springt auf und stellt sich in die Nähe der Küchentür.
„Oma ist alles zuzutrauen“, schimpft sie. „Vielleicht ist eine Schlange drin oder irgendein Tier, das sie im Garten gefunden hat. Bei Oma weiß man das nie.“
„Oha!“ Papa ist mutiger und linst unter das Tuch, das im Korb liegt. „Schlimmer“, sagt er. „Ein Oma-Geschenk, das nach Arbeit riecht.“
Jetzt sehen auch Mama und Florian die drei Paar Gartenhandschuhe und die Marmeladengläser. Sie sind neu.
Papa seufzt. „Das riecht nach Gartenarbeit für uns. Ich glaube, aus unserem Ausflug wird heute wieder nichts. Oma aber auch immer mit ihren geheimen Botschaften.“
„Ich verstehe“, sagt Mama. „Die Kürbisse sind dank des vielen Regens aber auch regelrecht explodiert in den letzten Tagen!“
„Oh nein!“, kreischt Florian. Kürbisse, die explodieren? Das stellt er sich schrecklich gefährlich vor. Und er nimmt sich vor, erst mal nicht mehr in den Garten zu gehen.
Da fügt Papa hinzu: „Auch die Kräuter schießen nur so. Ebenso der Salat. Ihr wisst, was das bedeutet?“
„Die schießen?“ Florian kann es nicht fassen. Eine Schießerei im Garten und explodierende Kürbisse. Das ist zu viel. Da fällt ihm Oma ein, die ist im Garten. Er muss sie retten! Sofort!
Vergessen ist die eigene Angst. Noch bevor Mama und Papa etwas sagen können, rennt er schon los hinüber zu Oma.
Die hat gerade einen dicken Kürbis geerntet und schleppt ihn in Richtung Haus.
„Vorsichtig, Oma, sofort hinlegen, der explodiert gleich!“, ruft Florian ihr schon von weitem zu.
„Huch!“ Oma schreit auf, lässt den Kürbis fallen und sich gleich auch.
Florian schreit auch auf, rennt zu Oma, stolpert, fällt zu Boden.
Und da liegen sie nun, Oma, Florian und der Kürbis.
Ein Glück, dass Papa und Mama gleich gekommen sind. Papa hilft Oma auf die Beine und als alle feststellen, dass niemandem etwas Schlimmes passiert ist, lachen sie herzlich. Papas gute Laune ist auch wieder da. Hatte die sich etwa doch auch in dem Korb mit den Marmeladengläsern und Gartenhandschuhen versteckt? Egal, die Hauptsache ist doch, dass niemand erschossen wurde und dass auch die anderen Kürbisse friedlich in ihrem Beet liegen, oder?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl 2016

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