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‚Glühwürmchen, Glühwürmchen, flimmre …‘
Ein lauer Sommerabend im Entebachviertel

1junifee

„Glühwürmchen, Glühwürmchen, glimmre, glimmre, Glühwürmchen, Glühwürmchen, schimmre, schimmre. La, lala, lalalaaa, la, lala, la lala lalalaaa …“
Irgendwo trällerte jemand das Lied vom Glühwürmchen. Laut und schrill und mit vielen falschen Tönen.
Doch das störte niemanden. Es passte zu diesem warmen Sommerabend. An schönen Abenden störte die Bewohner der Entebachsiedlung gar nichts. Na ja, fast nichts. Gesang war auf jeden Fall genau so okay wie der Lärm vom Kinderspielplatz, das Lachen und Rufen und Reden und Streiten der Leute in den Gärten und im Park, das Zirpen der Grillen, das Sirren der Schnaken, das Quaken der Frösche und das Bellen der Hunde.
Alles war gut, denn einen lauen Sommerabend, der dazu noch ein Samstagabend war, liebten alle. Und die Bewohner der Siedlung lehnten sich in ihren Gartenstühlen und Bänken zurück, schlossen die Augen und schnupperten. Es duftete süß nach Rosen und Lindenblüten, nach Jasmin, Holunder und Gartenkräutern, nach Levkojen, Pfeffernelken und … nach Grillwürsten. Aber auch Letztere störten nicht. Es war schließlich Sommer.
Fehlten nur noch die Glühwürmchen. Die hatte man in diesem Jahr noch nicht gesehen. Da war nur dieses Lied, das jemand vom nahen Park her so laut und falsch immer und immer wieder trällerte.
Die Leute begannen sich zu wundern.
„Wo stecken die Glühwürmchen?“, riefen sie einander zu. „Habt ihr sie schon gesehen?“
Von Garten zu Garten hallte dieser Ruf, bis schließlich alle Entebachviertelbewohner ins Dunkel der Büsche und Baumkronen starrten. Das Dunkel blieb dunkel. Da war kein einziges helles Pünktchen, das sich schimmernd und glimmernd seinen Weg durch die Nacht bahnte. Seltsam.
„Es muss an dem Gesang liegen“, rief einer.
„Er klingt auch ziemlich falsch“, meinte ein anderer.
„Und der Text ist auch nicht richtig“, sagte ein Dritter. „Es heißt nämlich ‚Glühwürmchen, flimmere‘. Dieses ‚Glühwürmchen, glimmere’ ist falsch. Hört ihr?“ Und sogleich begann er zu singen:
„‚Glühwürmchen, Glühwürmchen, flimmre, flimmre, Glühwürmchen, Glühwürmchen, schimmre, schimmre. Führe uns auf rechten Wegen, führe uns dem Glück entgegen. Gib uns schützend dein Geleit zur Liebesseligkeit. La, lala, lalalaaa, la, lala, la lala lalalaaa …‘ So ist’s richtig.“
Und weil er es so toll fand, sang er das Lied gleich noch einmal.
Dann war da noch jemand, der das Lied nun sang. Und noch einer und noch einer … und bald sangen und brummelten und pfiffen ringsum viele gut gelaunte Entebachviertelbewohner das Glühwürmchenlied.
Schön klang das. Und witzig irgendwie.
Die Glühwürmchen aber ließen sich trotzdem nicht blicken und alle wunderten sich.
Nur Oma Frieda, die wie jeden Abend auf ihrer Bank vor dem Häuschen saß, lächelte. Sie wusste Bescheid. Zu viel Grillduft lag noch in der Luft, und der lockte andere Wesen an. Für Glühwürmchen brauchte man Geduld. Die hatte Oma Frieda, und ihr Herz klopfte ein bisschen schneller, als endlich die ersten Glühwürmchen an ihr vorbei tanzten.
Zu der Zeit aber war das Glühwürmchenlied längst verstummt und die Entebachviertelbewohner hatten sich in ihre Häuser zu Sportstudio und Samstagabendkrimi zurückgezogen. Hell flimmerten im Spiegel der Fensterscheiben die Fernsehbilder in die Nacht hinaus. Und die Glühwürmchen, die schimmerten und glimmerten alleine durchs Dunkel. Wie an jedem milden Abend im Sommer.

© Elke Bräunling

Und das war im letzten Jahr der Fußballsommer im Entebachviertel.

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