Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Die Elfe und der furchtsame Erdbeerwichtel

Als die kleine Wiesenelfe die Waldbewohner zum Fest auf der Hollerwaldwiese einlud, konnte sie den scheuen Erdbeerwichtel nicht bei seiner Höhle in der Waldlichtung finden.
„Erdbeerwichtel!“, rief sie. „Wo steckst du?“
Niemand antwortete. Nur im Waldbeerenhang raschelte es kurz, und dort fand die Elfe den scheuen Wichtel dann auch unter Blättern verborgen. Er hielt sich die Augen zu.
„Da bist du?“, fragte die Elfe. Warum antwortest du nicht?“
„W-weil i-ich gar nicht da bin“, stammelte der Wichtel und seine Backen färbten sich erdbeerrot.
„Wer nicht da ist, kann auch nicht gesehen werden“, sagte die Elfe. „Und wer nicht gesehen werden kann, liegt nicht mit erdbeerroten Backen unter zwei Blättern.“
Der Wichtel schwieg. Seine Arme und Beine zitterten. Ein Angstzittern war es. Mühsam setzte er sich auf.
„K-kannst du nicht so tun, a-als hättest du mich nicht gesehen?“, fragte er.
„Das ist gelogen!“ Die Wiesenelfe war empört. „Lügen ist falsch. Verstecken ist auch falsch. Damit hilfst du dir nicht.“
Sie beugte sich zu dem zitternden Wichtel hinab und fragte: „Was macht dir Angst?“
Der Wichtel hielt schnell die Hände über seine roten Backen. „Immer habe ich rote Backen, wenn man mich anspricht“, antwortete er. „Und ganz schlimm, huuuh“, er schlug die Hände wieder vors Gesicht, „ganz schlimm ist es, wenn alle lachen und roter Erdbeerwichtel zu mir sagen. Sag, sehe ich etwa wie eine Erdbeere aus?“
Die Elfe konnte nicht anders. Sie musste lachen.
„Siehst du!“, stöhnte der Wichtel. „Du lachst jetzt auch. Immer lachen alle. Das ist gemein.“
„Warum lachst du nicht auch?“, fragte die Elfe . „Lachen? Ich? Über mich?“
„Nein. Über das Lachen.“
„Über das Lachen lachen?“ Der Wichtel staunte. Dann lächelte er. „Warum nicht? Man könnte es versuchen.“ Und vor Aufregung bekam er nun auch noch eine rote Nase.

© Elke Bräunling

Eine längere Fassung dieser Geschichte findest du hier: „Die Elfe und der Wichtel mit den roten Backen

Advertisements