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Von Äpfeln, Nachbarn und armen Rittern

Heute hat Mama Herrn Sonneberg, den neuen Nachbarn, zum Essen eingeladen.
Weil er ihr geholfen hat, eine schwere, große Bücherkiste aus dem Auto ins Haus zu schleppen.
„Sie sind ein Kavalier alter Schule“, hat Mama gesagt und gelacht. Und Herr Sonneberg hat zurückgelacht. Dann haben die beiden einander eine Weile nur angesehen und weiter gelacht. Mamas Backen sind rot geworden vom vielen Lachen. Fast hat sie ausgesehen, als sei sie in den neuen Nachbarn verknallt. Bloß wegen der Bücherkiste?
Jonas und Tobias mögen es nicht leiden, dass Mama diesen Fremden so ansieht. Sie mögen es überhaupt nicht leiden, wenn Mama mit fremden Männern spricht. Wozu auch? Jonas und Tobias können auch schwere Kisten aus dem Auto ins Haus schleppen. Vor allem, seit Papa nicht mehr bei ihnen wohnt. Aber klar doch!
Nun hat Mama diesen Typen auch noch zum Essen eingeladen. Einfach so.
Und dabei gibt es nur eine langweilige Kartoffelsuppe und Apfelpfannkuchen mit Vanillesoße. Ihre großem Schwestern Jana und Julia haben heute nämlich gekocht und das ist echt kein Essen, um Gäste einzuladen, finden die Brüder.
Außerdem haben sie gerade die Äpfel für den Pfannkuchen vom Apfelbaum im Garten von Nachbar Sonneberg geklaut. Aber das weiß Mama nicht.
Und nun sitzt der fremde Kerl da und stopft sich nach drei Tellern Suppe einen Pfannkuchen nach dem anderen in den Mund. Man könnte meinen, er hätte seit Wochen nichts mehr gegessen.
„Sie sind eine ganz ausgezeichnete Köchin“, schmachtet er Mama an.
Und Mama schmachtet auch. Sie hat immer noch rote Backen und isst fast nichts. Dabei sind Apfelpfannkuchen ihre Lieblingspfannkuchen. Komisch, das! Nur wegen Herrn Sonneberg.
Jonas und Tobias essen auch kaum etwas. Wegen der geklauten Äpfel.
Auch Jana und Julia halten sich mit dem Essen zurück. Wegen der Kalorien.
So isst eigentlich nur Nachbar Sonneberg und das ist auch okay so. Sind ja seine Äpfel, die er da in sich reinschaufelt. Man darf nicht klauen. Nicht mal fünf Äpfel. Klare Sache.
Jetzt hat auch der neue Nachbar gemerkt, dass keiner am Tisch viel isst.
„Schmeckt es euch nicht?“, fragt er mit einem Blick in die Runde. „Hm! Hm! Also, ich finde, die Äpfel von meinem Apfelbaum schmecken ganz hervorragend. Was für eine Überraschung! Ich hätte es nicht gedacht.“
„Ihr Apfelbaum?“ Verdutzt sieht Mama den Herr Sonneberg an. „Äh! Ich begreife nicht.“
„Wir waren das nicht“, sagt Jonas schnell.
„Stimmt!“, kommt ihm Tobias zu Hilfe. „Es waren Ritter. Arme Ritter!“
„Arme Ritter? So so!“ Herr Sonneberg sieht die beiden an. „Und ich dachte, ‚arme Ritter‘ sind etwas zum Essen! Eine leckere Pfannenspeise.“ Er zögert kurz, schmunzelt. „Oh, ich habe eine Idee: Ich lade euch ein. Morgen. Zum Essen. Es gibt arme Ritter mit …“ Nachbar Sonneberg lacht nun. „Mit Apfelmus. Helft ihr mir nachher bei der Apfelernte?“
Was bleibt Jonas und Tobias da anderes übrig als „Ja!“ und „Na klar!“ zu sagen?

© Elke Bräunling

Und wie diese Geschichte begann mit Ritterspiel und Apfelraubzug, das könnt ihr hier nachlesen: Apfelpfannkuchen für hungrige Ritter

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Diese Geschichte findest du in dem  NEUEN Buch: Omas Geschichten durchs Jahr

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