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Mia und das Donnermännlein

Heiß ist es in diesem Sommer und es hat schon lange nicht mehr geregnet. Ganz trocken sind die Böden, das Gras auf den Wiesen ist welk und gelb. Die Leute stöhnen.
„Wenn es nur endlich wieder einmal regnete“, sagen sie. „Nicht zum Aushalten ist diese Hitze!“
„Stimmt“, sagt auch Mia, die auf ihrer Schaukel sitzt. „Die Hitze ist wirklich nicht zum Aushalten.“
Heute ist aber auch ein besonders schwüler Tag. Kein Lüftchen weht und es riecht stickig. Selbst Mia, die Regenwetter sonst nicht leiden mag, wünscht sich ein kräftiges Gewitter herbei. Doch der Himmel ist blau und diesig. Keine einzige Wolke ist zu sehen.
Wild schwingt Mia auf ihrer Schaukel hin und her. Das kühlt ein bisschen. Außerdem hat Mia beim Schaukeln immer die besten Ideen.
„Einen Regentanz müsste man machen“, ruft sie. „Wie im Märchen. Oder noch besser einen Donner- und Gewittertanz.
Dann würde es bestimmt bald blitzen und donnern, der Regen würde kommen und es wäre nicht mehr so schwül. Uih, das wäre fein!“
„Fein! Fein! Fein! So mag es sein!“, poltert da eine krächzende Stimme und ein kleines Männlein hüpft zu Mia auf die Schaukel.
„Wer bist du?“, staunt Mia und sieht den Fremden an, der nichts als einen kleinen Lendenschurz trägt und ein finster blickendes, schwarzes Grummelgesicht auf seinem nackten Bauch aufgemalt hat. „Und warum hast du dieses Grummelbauchgesicht?“
„Das ist mein grollendes Donnergesicht. Rumsdibum“, erklärt das Männlein würdevoll. Dann verneigt es sich vor Mia und sagt: „Gestatten, mein Name ist Holterdipolter. Ich bin ein Donnermännlein.“
„Und ich heiße Mia“, stellt Mia sich vor. „Sag, bist du ein Geist?“ Vorsichtig piekt sie mit dem Finger auf das grummelnde Bauchgesicht des Fremden.
„Rumsdibumm!“, poltert der schwarze Donnermund auf Holterdipolters Bauch.
„Rumsdibumm!“, lacht Mia. „Das gefällt mir. Kannst du das auch lauter machen, dieses ´Rumsdibumm´?“
„Probier es aus!“, antwortet das Donnermännlein, und Mia drückt sogleich ein wenig fester auf dessen Bauch.
„RUMSDIBUMM!“, grollt es da in der Luft. Laut und bedrohlich. „RUMSDIBUMM!“
„Fein“, ruft Mia. „Und nun schick uns mit deinem lauten ´RUMSDIBUMM´ schnell ein Gewitter mit Blitz, Donner und Regen. Schaffst du das?“
„Klar!“, poltert Holterdipolter. „Das ist schließlich mein Job – und deshalb bin ich heute auch hier.“
Es blitzt, und wenige Sekunden später lässt ein mächtig lautes Donnergrollen die Erde erbeben.
Erschrocken zuckt Mia zusammen und für einen kurzen Moment schließt sie die Augen.
„Aber wie …“, will sie dann fragen und blickt sich um. Holterdipolter ist verschwunden. „Hey, wo bist du?“
Mia wundert sich. „Komisch. Hab ich das alles nur geträumt?“
Sie blickt zum Himmel. Dicke Wolken türmen sich in Windeseile auf. Unter lautem Rumsdibumm-Gedonnere kommen sie rasch näher.
„Ein Gewitter kommt“, ruft Mia und springt auf. „Danke, liebes Donnermännlein!“
Und schnell saust sie ins Haus, denn das Blitz- und Donnerspektakel will sie sich doch lieber vom sicheren Fenster aus ansehen.
© Elke Bräunling

Eine kürzere Fassung dieser Geschichte – dieses Mal mit dem kleinen Bären – findest du hier: Der kleine Bär und das Donnermännlein

Gewitterstimmung

Gewitterwolkenstimmung

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