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Der Hunger der Bienen

Längst war die Sonne hinter den Bergen untergegangen und Maik saß noch immer am weit geöffneten Fenster seines Zimmers. Es waren Ferien und niemand sagte ihm, wann er ins Bett zu gehen hatte. Das war toll. Er liebte die langen Sommerferien. Und ganz besonders liebte er es, sich frei fühlen zu dürfen, wenn er in den Ferien Opa Leonhard in dem kleinen Walddorf besuchte. Der nämlich behandelte ihn wie einen Erwachsenen und das war besser als die aufregendste Urlaubsreise in ferne Länder.
In Opa Leonhards Garten hatte Maik sogar sein eigenes Beet, das er ganz nach seinen eigenen Wünschen gestalten durfte. Im Frühjahr hatte er eine Blumenwiese gesät und dort blühten die Wildblumen und Kräuter nun kunterbunt. Toll sah das aus. Maik war gespannt, ob sich viele Insekten dort einfinden würden. In der Schule hatte er nämlich gelernt, dass die Bienen und Hummeln und Schmetterlinge, Käfer, Fliegen es sehr schwer hatten, genug Nektar zu finden. Ohne Nektar aber mussten sie hungern oder weiterziehen und sich neue Plätze zum Leben suchen. Das war, fand Maik, nicht okay.
Opa Leonhard war da ganz seiner Meinung. „Das ist genau richtig, mein Junge! Wir brauchen die Bienen, sie sind für uns lebenswichtig. Aber wenn sie keine Nahrung mehr finden, dann werden sie mit der Zeit immer weniger werden und irgendwann …“
Maik mochte sich nicht ausmalen, was irgendwann geschehen würde. Hoffentlich konnten Opa und er etwas dagegen tun und wenn alle Menschen mithelfen würden, müsste es doch gelingen, die Bienen und alle anderen Insekten zu retten.
„Was passiert dann irgendwann? Ich meine, wenn es keine Bienen mehr gäbe?“, fragte er dennoch. „Haben wir dann keinen Honig mehr?“
Opa Leonhard lachte heiser auf. Es war kein fröhliches Lachen.
„Ha!“, grunzte er schließlich. „Wenn es nur der Honig wäre! Damit könnte man zur Not noch leben. Aber wie wollen wir ohne Obst, Blumen und viele Gemüse- und Getreidearten leben?“
„Was hat denn das Obst damit zu tun? Und das Gemüse und Getreide?“, fragte Mai. „Ein bisschen konnte er sich das ja denken, aber er wollte es ganz genau wissen, denn er musste unbedingt seinen Freunden davon erzählen. Nur gemeinsam nämlich konnte man etwas erreichen.
„Also gut“, sagte Opa. „Dann muss ich mich aber setzen, komm mit auf die Bank unter dem Apfelbaum!“
Und dann erklärte Opa Florian all das, was der schon geahnt hat. Dass es nämlich die Bienen und Hummeln waren, die die meisten Blüten bestäubten und dass dieser wichtige Job der Bienen dafür sorgte, dass die Früchte an Bäumen und Sträuchern, auf Feldern und in Gemüsegarten sich entfalten und wachsen konnten.
„Und nun stell dir vor“, schloss Opa seinen Bericht, „wie es auf unseren Tellern aussähe, gäbe es all diese Früchte nicht mehr.“
„Das darf einfach nicht passieren, Opa! Du und ich, wir werden dafür sorgen, dass es in unserem Garten viel Nahrung für Bienen und Hummeln gibt, nicht wahr? Und ich werde allen davon erzählen und sie bitten, es ebenso zu tun!“
Maiks Augen leuchteten vor Eifer. „Wenn der Stein erst ins Rollen kommt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten, wie bei den Dominosteinen, wenn der erste fällt!“
Opa lächelte. Er hatte ein tolles Enkelkind und er war stolz.
„Dann sei du der erste Stein, mein Lieber!“, sagte er und drückte Maik die Hand. „Ich helfe dir!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Bienenbuch und Bienenwiese
Ein Lesestündchen auf der Bienenwiese mit einem ganz zauberhaften Büchlein aus dem Benno Verlag Himmelsschwärmerei: Von den süßen Kleinigkeiten des Lebens *
Dieses kleine zauberhafte Buch enthält Geschichten, Sagen, Gedichte, Weisheiten, Sachtexte beliebter Autoren von Heinz Erhardt über Selma Lagerlöff bis zu Christian Morgenstern und vielen mehr rund um den Honig und die Biene. Du findest darin auch zwei Geschichten von mir und ich freue mich so sehr, bei dieser wunderfeinen Auswahl mit von der Partie zu sein. ❤

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